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15. April 2012 7 15 /04 /April /2012 15:32

blue...ja, verrückt, das ist glaube ich die passende Beschreibung, für das, wie ich mich oft selbst empfinde. Vielleicht auch anders. Aber dies wäre zu milde ausgedrückt. Irgendwie war ich tatsächlich schon immer anders als viele der Menschen in meinem Umfeld. Klar nicht jede kommt gemeinsam mit einem Zwillingsbruder auf die Welt, der an Down Syndrom leidet. Nicht jede, hat eine Mutter, die mit 40 Jahren, dh. als ich selbst 10 war, einen Schlaganfall erleidet und sich von heute auf morgen von der Persönlichkeit her komplett verändert. Insofern verändert, dass sie die größte Konkurrentin plötzlich in ihrer eigenen Tochter sah und bis heute noch immer sieht. Nicht jede hat Eltern, die sich seit ihrem 10 Lebensjahr täglich tagein tagaus gestritten haben. Und nein, es war gar nicht peinlich, dass ab und an die Nachbarn, mal mit mal ohne Polizei vor der Tür standen, um mitzuteilen, dass die Lautstärke des Streits doch etwas zu arg war. Auch war es nicht immer einfach, mit meinem Bruder, der trotz seiner Behinderung ein wirklich toller, einfühlsamer und liebenswerter junger Mann geworden ist, in Zeiten unserer Jugend, in der Straßenbahn zu sitzen, gefühlt alle Augenpaare auf uns gerichtet. Auch werde ich die Worte einer älteren Dame nicht vergessen, die meinte: "Zu unserer Jugend wären solche noch vergast worden". Nicht nötig zu erwähnen, dass sie meinen geistig behinderten Bruder meinte. Ich meinte daraufhin nur: "Um ihn wäre es sehr schade gewesen, um sie jedoch nicht", worauf sie mich nur ungläubig ansah. Aber trotzdem waren es nicht diese Themen, warum ich mich schon immer ein wenig anders als andere gefühlt habe. Vielleicht haben diese Themen meine Empfindung der Andersartigkeit verstärkt. Aber ich bin bis heute nicht an den Ursprung dieses Gefühls vorgedrungen. Seit klein auf, ist es für mich spielend einfach, neue Sachen zu erlernen, mich zu verändern und zu entwickeln. Ich verfüge über eine enorme Wahrnehmung und Feinfühligkeit. Ich kann mich super in andere Menschen reinversetzen, sehe und spüre jeden kleinen Hinweis darauf, dass es jemandem nicht gut geht, auch wenn er alles dafür tut, dies nicht nach außen zu zeigen. Ich interessiere mich für die unterschiedlichen Facetten der Menschen, höre ihnen gerne zu und helfe ihnen gerne weiter. Auch darin, sich selbst weiter zu entwickeln, sich selbst zu reflektieren, seine Stärken und Potenziale zu erkennen und stolz auf diese zu sein. Und dennoch brauche ich selbst Extreme, um mich selbst zu spüren. Das Leben zu spüren. Zu spüren, dass es weiter geht. Noch nicht zu Ende ist. Im Berufsleben, wäre Mittelmaß nicht ausreichend für mich. Nur die besonderen Projekte und Themen, mit einem Ziel, auf das es sich hinzuarbeiten lohnt, machen mich zufrieden. Der Austausch mit Menschen, die ähnlich ticken wie ich, ist mein Lebenselexier. Gemeinsam mit anderen an einem Projekt zu arbeiten, vom Ziel zu träumen, auf dem Weg zu schwitzen, sich gegenseitig immer wieder an zu spornen, noch ein wenig mehr Herzblut reinzustecken, noch ein Stückchen besser zu werden, unternehmerisch im Sinne des Ganzen zu arbeiten, das tut mir gut. Und dennoch hat mich genau das, in den Burnout gebracht. Das ist zumindest in der Literatur nachzulesen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dies wirklich so ist. Oder hat mich etwas anderes so weit gebracht? Vielleicht auch das Zusammenleben, -arbeiten, -sein mit Menschen, die eben anders als ich sind? Die mit dem Mittelmaß zufrieden sind? Glücklich sind? Das Extreme scheuen? Veränderungen und Entwicklung meiden, weil sie sich und ihr bisheriges Leben dann selbst in Frage und auf den Prüfstand stellen müssten? Sich selbst in die Augen schauen müssten. Zulassen müssten, ihre Fehler und Abgründe zu erkennen. Solche Menschen bringen mich regelmäßig aus der Balance. Haben sie mich auch vielleicht ein Stück mit dort hingebracht, wo ich mich jetzt befinde? Bzw. habe ich es zugelassen, dass sie mich dorthin gebracht haben? Hätte ich von manchen früher loslassen müssen? Wenn andere mich für anders, vielleicht sogar für verrückt halten, würde ich sagen: Ich bin gerne so. Denn es geht mir gut, wenn ich so bin.

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Published by Dani - in Burnout
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  • : Willkommen im Leben
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  • : Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!
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  • Dani
  • Weiblich, Anfang 30, energiegeladen, lebenslustig, bunt, kreativ, offen, intuitiv, an Menschen und ihren Geschichten interessiert, lebenslustig, zielorientiert, sportlich und kochbegeistert.
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