Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!
Der Kampf wird nicht einfacher. Nach 6 Wochen Arbeit im neuen Job melden sich die Symptome des Burnouts leider immer regelmäßiger. D.h. es ist meine große Aufgabe, dort gegenzuhalten - und dennoch eine Vollzeitstelle bzw. die Arbeit von zwei Stellen zu meistern. Was ich bisher immer gut im Griff hatte, wird manchmal zum Supergau. Die Zeiten, in denen ich frei habe. Genauer gesagt die Wochenenden oder freie Tage. Tage, in denen der Stresspegel abfällt, Tage, die nicht durchgeplant, nicht strukturiert sind. Diese hauen im Moment stark rein. Diese habe ich noch immer nicht richtig unter Kontrolle. Wahrscheinlich habe ich noch immer nicht die Balance raus zwischen Job und Freizeit. Aber auch im Job machen sich altbekannte Anzeichen bemerkbar. Ist der Stress viel, tauchen wieder Konzentrationsschwierigkeiten auf. Selten, aber es gibt sie. Leider immer häufiger. Denn - der Stress nimmt rapide zu. Der innere Druck nimmt auch zu. Ich spüre manchmal wieder wie sich das Cortisol in meinem Körper ausbreitet, wie ein schleichendes Gift. Das Cortisol, welches bereits einen Teil meiner Schilddrüse auf dem Gewissen hat, welches zu Aussetzern, Rauschen im Kopf, Bewegungslosigkeit, Herzstolpern, extremen Verspannungen etc. führt. Ich arbeite dagegen an - immer mit der Angst im Nacken, den Kampf verlieren zu können. Es nicht zu schaffen, den Burnout zu besiegen. Wieder den Abgrund hinunter zu fallen. Arbeitsunfähig und langfristig arbeitslos zu werden. In den letzten Tagen ging es mir nicht gut. Das Wochenende und gestern einen freien Tag. Zu viel Zeit für Gedanken, Panik, Stress durch meinen Freund. Angst vor dem was an Zusatzstress bei einer möglichen Trennung auf mich zu kommt. Unverständnis für sein Verhalten, sein Versagen, seine Respektlosigkeit. Gestern Abend fühlte ich mich dann dem Abgrund ganz nah. Mehr noch, ich war schon einen Schritt zu weit gegangen, hatte mich aber noch mit den Händen vor dem Runterfallen an der Klippe festhalten können. Dort klammerte ich dann krampfhaft. Plante, mich heute früh krank zu melden. Sah keine Chance mehr, weiterzuarbeiten. Auch der drohenden zahlreichen Termine dieser Woche wegen. Hatte Panik, es nicht mehr zu packen. Fühlte mich zerschmettert, kraft- und energielos. Die Nacht - ein Alptraum. Viel zu früh dann wieder wach. Die Panik im Nacken. Ich wusste - entweder nimmst Du jetzt alle Kraft zusammen und fährst hin, arbeitest weiter, oder du meldest Dich krank und fällst damit noch ein Stückchen weiter in den Abgrund. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie funktionierte ich, ich fuhr hin, mit letzter Kraft. Dort war ich die ersten zwei Stunden wie ein aufgeschrecktes Tier. Volltrunken von Cortisol. Immer mit dem Gedanken, schnell was weg zu arbeiten, um dann gleich wieder heim zu fahren. Die Termine nicht wahrzunehmen. Ich weiß auch hier nicht wie - aber irgendwann wurde ich ruhiger. War wieder angekommen. Angekommen bei der Stressdroge? Egal, ich war angekommen und habe es geschafft, alle Termien wahrzunehmen. Habe den Arbeitstag geschafft. Weiß dass es morgen noch stressiger wird. Bin aber wieder zuversichtlicher. Habe es geschafft, mich noch einmal mit letzter Kraft an der Klippe hochzuziehen. Wieder Boden unter den Füßen zu spüren. Keine Ahnung wie. Ich hoffe, ich schaffe den morgigen Tag auch. Ich hoffe, es wird langfristig besser. Ich hoffe, ich werde irgendwann gesund sein.