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Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!

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Advent

kranzZeit für einen Rückblick. Bald jährt sich der Tag X. Der Tag meines kompletten Zusammenbruchs. Am 29.12.2011. War ja nicht so, dass es keine Vorläufer für diesen Tag gegeben hat. Eigentlich ziehen sich die Vorläufer bereits seit 2010. Verschärft aber im Jahr 2011.Tage an denen irgendwie nichts ging. Ich es vielleicht noch geschafft hatte, mich morgens fertig zu machen. Aber es nicht schaffte, bei der Arbeit anzukommen. Obwohl mein Büro von meiner Wohnung nur 10 Minuten entfernt lag. Aber am 29.12.2011 wenige Tage vor meinem Neustart bei einem neuen Arbeitgeber, kurz nach meinem Umzug in die Wohnung meines Freundes, ging gar nichts mehr. Es war so, als ob jemand die Stoptaste meines Körpers gedrückt hätte. Ich saß auf dem Sofa und starrte bewegungslos vor mich hin. Ich sah irgendwie nichts mehr, hörte nichts mehr, war wie tot. Hätte ich aufstehen wollen, weiß ich nicht, ob mein Körper auf mich gehorcht hätte. Aber ich wollte gar nicht. Wollte gar nichts. Saß nur da. Das Gedankenkarussell, welches die Monate zuvor ständig in meinem Kopf rotiert hat, war zum Stehen gekommen. Es war ein Zustand, ein wenig wie ich mir den Tod vorstelle. Mein Geist war irgendwie nicht mehr in meinem Körper. Der Körper war noch da, saß da auf dem Sofa. Ich weiß nicht, wie lange ich auf dem Sofa gesessen bin. Zeit war damals nicht greifbar, sie floss an mir vorbei, wie alles. Es müssen aber ein paar Stunden gewesen sein. Irgendwann besann ich mich. Und in diesem Moment liefen die Tränen. Ich fühlte plötzlich wieder etwas. Ein riesengroße Leere und Erschöpfung. Das Aufstehen fiel mir sehr sehr schwer. Ich habe es dann noch ins Bett geschafft. Irgendwie. Am nächsten Morgen - die Nacht war blitzschnell vergangenen - fühlte ich mich wieder wie gelähmt. Zerschmettert. Mein Körper war unglaublich schwach. In meinem Kopf ein Vakuum. Ich wusste, dass ich handeln musste. Bat meinen Freund einen Arzttermin beim Hausarzt zu vereinbaren und zu sagen, dass es dringend sei. Ich musste noch einen Termin vor Silvester erhalten. Komme was wolle. Ich hatte Glück und ergatterte einen Termin bei einem Arzt, bei dem ich nur 2 Minuten hinbrauchte.Ich sollte jedoch innerhalb der nächsten 30 Minuten vorbeikommen, was meinen Druck im Kopf in die Höhe trieb. Den kurzen Weg zur Praxis lief ich wie in Trance. Mein Freund musste mich begleiten. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, welches unmündig war. Fühlte mich vollkommen überfordert. Schaffte es noch nicht mal mit der Arzthelferin zu reden, zu sagen wer ich bin, warum ich da sei. All dies musste mein Freund übernehmen. Ich war froh direkt vor dem Arztzimmer Platz nehmen zu dürfen und nicht den Blicken der anderen Patienten im Wartezimmer ausgeliefert zu sein. Ich hatte das Gefühl überall wund zu sein. Das Gefühl so zerbrechlich wie dünnes Glas zu sein. Durch welches andere Menschen bis tief in meine verwundete Seele schauen können. Sehen können, wie kaputt ich bin, wie gescheitert, wie alleine. Dann wurde ich vom Arzt reingebeten. Ich schaffte dies ohne meinen Freund. Saß vor dem Arzt, schaute an ihm vorbei. Versuchte zu erzählen, was passiert war. Das nichts mehr ging, das ich nicht mehr schlafen konnte, Herzschmerzen und starke Magen-Darm-Schmerzen hatte, einen Hörzsturz hinter mich gebracht hatte, mich nicht mehr konzentrieren konnte, manchmal das Gefühl hatte, völlig neben mir zu stehen, wahnsinnig zu werden. Ich erzählte sehr nüchtern, fast maschinell,  lachte manchmal, weinte zwischendrin und hatte Panik, dass der Arzt, der an diesem Tag mein neuer Hausarzt wurde, denken musste, dass ich vollkommen durchgeknallt sei oder simulierte. Irgendwie stand ich auch bei dieser Szene komplett neben mir, hörte mich selbst reden. Hielt es selber für irrsinnig. Irgendwann hörte ich auf zu sprechen. Als mein Arzt nichts sagte, schaute ich ihn zum ersten Mal an. Er sah mir in die Augen. Meinte: "Oje" und fragte dann "Was tut Ihnen im Moment am besten?" und er ließ zum ersten Mal "Burnout" fallen. In meinem Kopf fing sich das Gedankenkarussell an zu drehen und wurde immer schneller, mir wurde davon regelrecht schlecht. Ja, was tat mir am besten?? Ich hatte so um einen neuen Arbeitgeber gekämpft. Hatte einen tollen Job bei einem Markenunternehmen ergattert. Sollte in drei Tagen dort starten. Und nun? Ich sagte nur: "Ich kann nicht mehr." Daraufhin schrieb mich mein Arzt 3 Wochen krank und meinte, dass dies wahrscheinlich nur der Anfang sei. Ich solle mir dringend auch therapeutische Hilfe suchen. Und dies war es auch, womit das Jahr 2012 für mich startete. Mit dem tiefsten Punkt in meinem bisherigen Leben. Das Jahr brachte einige weitere Tiefpunkte mit sich und den Start des Kampfes gegen den Burnout, welcher noch lange nicht vorbei ist. Ich werde in nächster Zeit immer mal wieder Rückblicke liefern. Erst jetzt, nachdem es mir deutlich besser geht, kann ich diesen Blick zurück wagen und manches viel viel besser verstehen.

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