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Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!

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Hörsturz - und plötzlich war alles anders

       StilleAm Ostermontag 2011 fuhren wir nach unserem Wochenende in München wieder nach Hause. Es waren 3 schöne aber doch auch sehr merkwürdige Tage gewesen. Die Sonne hatte geschienen. Erholt war ich nicht. Ich fühlte mich zufrieden und unglücklich zugleich. Am nächsten Tag würde ich wieder ins Büro gehen müssen. In den Arbeitsalltag, in dem ich mich schon längern nicht mehr wohl und zufrieden fühlte. Ich hatte 2010 einige Projekte sehr erfolgreich gestemmt. Eine Wertschätzung meines Chefs war nicht erfolgt. Mal davon abgesehen, dass ich von ihm noch nie ein Lob oder Ähnliches erhalten hatte. Es war mir also nicht neu - aber so langsam war es nur noch ätzend. Mit dem Tod meines Schwiegervaters war er kurzzeitig überraschend gut umgegangen. Dafür hatte meine Kollegin meine Abwesenheit am Todestag dafür genutzt, sich bei meinem Chef über mich zu beschweren. Es kriselte und ich ging nur noch mit Bauchschmerzen ins Büro. Ich arbeitete jedoch noch mehr als zuvor. Wollte ich denen doch zeigen, dass ich nicht unterzukriegen bin. Als wir am Ostermontag zuhause ankamen. War es mir irgendwie schlecht. Ich hatte einen enormen Druck im Bauch und mein Kopf fühlte sich benebelt an. Ich hatte schon meinen Freund die gesamte Strecke von München zurückfahren lassen. Zuhause legte ich mich aufs Sofa, in der Hoffnung, dass es mir schnell wieder besser gehen würde. Ich musste noch ein paar Sachen für den nächsten Tag im Büro vorbereiten. Als ich auf dem Sofa lag, wurde es mir im Kopf noch schlechter. Der Druck stieg gefühlt aus dem Bauch in mein Gehirn. Mein Kopf glühte. Plötzlich begann es in meinem rechten Ohr zu rauschen und zu knistern. Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr Wasser im Ohr habt? Genauso ein Gefühl hatte ich im rechten Ohr. Das Rauschen ging dann ins linke Ohr über. Und plötzlich fiel das linke Ohr zu. Ein wirklich unangenehmes Gefühl. Ich ging aber davon aus, dass dies vorübergehend sein würde. Irgendwann stand ich vom Sofa auf. Hatte das Gefühl ziemliche Gleichgewichtsschwierigkeiten zu haben und ging an diesem Abend recht früh ins Bett - wollte ich doch am nächsten Tag im Büro fit sein. Leider sah es am nächsten Tag nicht anders aus - sondern schlimmer. Mir war schwindelig, mein Kopf glühte, auf dem linken Ohr hörte ich nichts. Der Druck im Kopf war auch noch da. Dennoch entschied ich mich, ins Büro zu gehen. Ich wollte nicht schon wieder fehlen. Im Büro ging fast gar nichts. Das Schwindelgefühl wurde immer extremer und ich fühlte mich richtig krank. Ich hatte nicht direkt Schmerzen im Ohr. Aber einen komischen Druck darauf. Am schwierigsten fiel es mir, zu laufen. Ich hatte richtig Panik irgendwo gegen zu laufen, mein Körper war total aus dem Gleichgewicht. Ich entschied mich letztlich zum Arzt zu gehen. Ich befürchtete eine Ohrenentzündung. Ich hatte noch nie eine gehabt, konnte das also nicht beurteilen. Mein Chef schaute mich herablassend an, als ich ihm dies mitteilte und fragte Haben Sie starke Schmerzen im Ohr?

Ich: Nein.

Mein Chef: Ich hatte erst vor kurzem eine Ohrenentzündung. Das tat extrem weh. Falls das bei Ihnen nicht ist, haben sie auch nichts. Aber gehen sie ruhig zum Arzt, wenn sie soviel Zeit übrig haben.

Ich ging trotz dieser Bemerkung zum Ohrenarzt. Dieser machte einen Hörtest. Ich saß in der Kabine und zweifelte mal wieder an mir. Hatte das Gefühl, mir eine Krankheit einzubilden. Wusste, dass die Arbeitsstapel in meinem Büro in der Zwischenzeit deutlich größer wurden. Die Assistentin prüfte zunächst mein rechtes Ohr. Ich hatte Kopfhörer auf und musste immer beim Erscheinen eines Pfeiftons signalisieren, dass ich ihn höre. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es, als das rechte Ohr getestet wurde, sehr viele Pfeiftöne gab. Hatte Bedenken, den Test nicht richtig zu machen. Diese wurden noch bestärkt, als das linke Ohr getestet wurde und ich ewige Zeit gar keinen Pfeifton hörte. Bei der Besprechung des Ergebnisses mit dem Arzt meinte dieser: Ha wir haben sie erwischt. Und ich: Habe ich was falsch gemacht??? Der Arzt: Nein haben sie nicht. Aber, sie haben einen Hörsturz. Den müssen wir dringend behandeln. Und sie sind erst einmal krankgeschrieben. Sie müssen sich dringend erholen. Ich: Ja klar...Hörsturz.. Der Arzt: Damit ist nicht zu spaßen. Wir starten noch heute mit der Cortisontherapie. Nachdem ich die Arztpraxis mit Rezept verlassen hatte, rief ich im Büro an und meldete mich krank. Versuchte, das schlechte Gewissen dabei auszublenden, was kaum möglich war. Aber ich fühlte mich elend, kraftlos und krank. Auf dem linken Ohr hörte ich fast nichts, dafür wurde das rechte Ohr, welches wohl das linke ausgleichen wollte, überschallt. Der normale Alltagslärm war für mich unterträglich. Ich floh nach Hause. Fühlte mich dort angekommen, erst einmal sicher. Jetzt musste ich loslassen, von dem Glauben, dass mich so etwas nicht erwischen kann und dass mein Körper alles mit sich machen lässt Er fing an, mir heimzuzahlen, was ich ihm mit all dem Stress angetan hatte.

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