Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!
...oder Dinge, die ich nicht missen und dennoch wenn möglich niemals mehr erleben möchte. Nicht missen, weil ich sonst nie meine Energie in ein Umdenken gesteckt hätte, sondern weiter in das Hamsterrad, welches sich unaufhörlich gedreht hat. Sie haben mich gezwungen, eine Pause einzulegen, auf mich, meinen Körper, meine Energie, meine Gefühle und meine Intuition zu hören. Auf mich zu achten, mich abzugrenzen, von Dingen, für die ich einfach keine Verantwortung übernehmen muss. Wenn ich daran denke, wie es mir vor knapp 8 Wochen ging, dem Zeitpunkt, wo nichts mehr ging, mein Körper und mein Kopf gemeinsam einfach einmal komplett aussetzten, schießen mir die Tränen in die Augen. Ich bin traurig, dass ich es soweit habe kommen lassen. Es gab Symptome während der letzten 1,5 Jahre, die gefühlt die Hölle waren. Ich, die immer perfekt sein wollte, stark war und vor Energie eigentlich nur so strotzte, habe ein Tal der Tränen durchschritten, mich leblos gefühlt. Ich möchte hier die für mich stärksten und prägendsten Symptome einmal nennen. Die Symptome sind sicherlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich - die, die ich hier nenne, sind einzig und allein von mir empfunden.
1. Der starke Hörsturz mit fast kompletten Hörverlust auf dem linken Ohr für knapp 6 Wochen. Und das immer wieder auftretende Rauschen im Ohr, das bis heute anhält.
2. Das Gefühl, vom Stuhl nicht mehr aufstehen zu können, die Kraft nicht zu haben, die Arme anzuheben.
3. Panikattacke im Supermarkt, das Piepsen, welches beim Scannen der Produkte durch die Kassiererin entsteht fraß sich unerträglich in mein Hirn, wurde lauter und lauter, die Hintergrundmusik, die hektischen Bewegungen der Verkäuferin, das Kindergeschrei an der Nachbarkasse, die Schwüle, all das trieb mir kalten Schweiß auf die Stirn und ließ mich vergessen zu atmen. Bis ich der Kassiererin den genannten Betrag aus meinem Portemonaie geholt hätte, wären gefühlt Stunden vergangen. Ich wusste kurzfristig nichts mehr mit den Scheinen und Münzen anzufangen. Zum Glück gibt es EC-Karten.
4. Das nicht endende Gedankenkarussell in den Nächten. Das x-malige zur Toilettegehen. Das Aufwachen aufgrund Herzstolperns und die Panik, daran zu sterben. Das zermürbte und komplett erschöpfte Aufwachen am Morgen.
5. In Gesprächen den Faden zu verlieren und das Gefühl zu haben, komplett neben sich zu stehen, sich selbst zuzuhören und zuzusehen. Das daraus resultierende Gefühl, krank zu sein oder wahnsinnig zu werden.
6. Während des Autofahrens das Gefühl zu bekommen, nicht zu wissen wo Gas und Bremse ist und auch nicht zu wissen, wo man eigentlich gerade hinfährt.
7. Das Gefühl permanenter Ruhelosigkeit. Sich nie entspannen zu können. Ohne Pausen zu rotieren.
8. Die Überforderung im Kontakt zu anderen Menschen. Keine Energie zu haben, mit ihnen zu reden, zu telefonieren.
9. Stundenlang regungslos auf dem Sofa zu liegen und aus dem Fenster zu schauen, ohne etwas zu denken, wahrzunehmen, zu fühlen.
10. Gesundheitliche Schäden wie Darmentzündung, Chaos in den Hormonen, permanente Verspannungen und Kopfschmerzen, Herzschmerzen, Verlust der Stimme und alle möglichen Infekte.
11. Das starke Verlangen zu haben, sich irgendwo zuhause zu fühlen, obwohl man zuhause ist.
12. Das Gefühl nur noch Extremsituationen zu benötigen, um überhaupt etwas zu spüren.
13. Das Gefühl, sich in einer Midlife-Crisis zu befinden oder nur noch wenige Monate zu leben zu haben.