Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!
langsam, ganz langsam kommt die Erkenntnis. Die Ernüchterung. Das Mitleid mit mir selbst. Die Traurigkeit. Das Wissen, dass 2012 nicht wie die Jahre zuvor verlaufen wird. Ja, ich bin wirklich zum zweiten Mal in Folge seit 5 Wochen krank geschrieben und ein Ende ist zwar fühlbar aber noch nicht in definitiver Sicht. Seit meiner Intensiv-Therapie habe ich das Gefühl, dass ich langsam aber sicher wieder in der Realität und auch in der Gefühlswelt ankomme. Ich kann wieder klarer denken, als die Monate, ja vielleicht sogar Jahre zuvor. Ich fühle mich nicht mehr gescheucht, zermürbt, kraftlos, krank und dem Tode nah. Habe das Hamsterrad aufgebrochen. Und doch ist es nicht einfach. Denn zur Zeit ist es ein Schwebezustand. Ohne genauem Ziel. Die Jahre zuvor, war ich immer geregelt arbeiten, seit 1,5 Jahren kamen dann immer wieder Krankheitsetappen hinzu. Aber so lange wie dieses Jahr, war ich noch nie so lange weg vom Fenster. Ich wollte immer Karriere machen, immer höher kommen und besseres Geld verdienen. Das habe ich mit dem Job, den ich noch habe, eigentlich erreicht. Aber er füllt mich nicht aus. Würde vielleicht immer wieder zu Rückfällen führen. In meiner momentanen Situation ist es alles andere als einfach und man spürt ganz deutlich das berufliche System in Deutschland. Ich habe ein bestimmtes Level an Qualifikation erreicht und damit auch einhergehend ein gutes Gehalt. Wenn ich das machen möchte, was mich ausfüllt, werde ich gehaltlich tief fallen. Das Motto: Wer die Wahl hat, hat die Qual, begleitet mich nun täglich, wie ein Schatten: Gutes Gehalt + nicht erfüllende Aufgabe <-> Schlechtes Gehalt + Erfüllung. Tja... Schlimmer noch, es wird nicht einfach mit dieser Qualifikation in bestimmte Jobs reinzukommen. Ich werde mich hier und da rechtfertigen müssen, wieso, weshalb, warum... Dazu bin ich Personaler genug, um dies zu wissen. Ich würde dies ja nicht anders machen. Aber, das schlimmste ist, dass ich es vor mir und meinem verdammten Ego rechtfertigen muss. Aber ich bin auf einem guten Weg. Im Moment steht es 1:0 gegen mein Ego. Es tut mir weh zu begreifen, wie schlecht es mir in der Zeit des Burnouts ging, welche Phasen ich hatte, welche Gefühlszustände, welche Krankheitssymptome, welche Ausraster. In der Intensivtherapie kam heraus, dass der Burnout im Oktober 2008 begonnen hat. Das sind 3,5 Jahre des Schreckens. Das kann kein Geld der Welt abfedern. Wenn ich die Chance habe, ganz gesund zu werden, den Burnout dauerhaft im Griff zu haben, verzichte ich gerne auf ein hohes Gehalt. Mein Wunsch ist - und damit schieße ich den Ball gleich zum 2:0 ins Ego-Tor - dass ich gesund und glücklich bin. Dass ich bei jedem verdienten Euro weiß, dass das, was ich tue in der Regel gut für mich ist und mich ausfüllt.