Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!
Ist das die finale Phase eines Burnouts? Also die Phase, in der die Genesung läuft? Ich fühle mich gesundheitlich besser, energiegeladener, stabiler und in den letzten Tagen zunehmend wie ein Jobschwänzer.Ich bin noch immer beim aktuellen Arbeitgeber angestellt und krank geschrieben. Und...ich suche bereits einen anderen Job. Versuche meinen Weg zu bahnen und...es ist so verdammt schwer. Alles in meinem Bauch spricht gegen den aktuelle Arbeitgeber, seine Systeme, seine Kultur, seine Planlosigkeit. Und dennoch ist dies ein familiäres Unternehmen. Eines, in dem man sich wohl fühlen kann. Mit lieben Kollegen. In dem die Grenzen nicht starr gesteckt sind. Vielleicht überhaupt nicht gesteckt sind. Und letztes ist mein größtes Problem. Denn dies würde mich wieder Richtung Burnout bringen. Ich brauche Grenzen, da ich es lange nicht gelernt hatte, mir selber welche zu setzen. Ich hatte eigentlich noch nie eine Führungskraft. Also in Person ja, in Ausfüllung der Funktion - nein. Ich war irgendwie immer selbständig im Unternehmen. Konnte machen und tun, was ich wollte. Weil man es mir wohl zugetraut hat. Und..es hat ja nach außen funktioniert. Ich habe tolle Konzepte entwickelt, viel gearbeitet, konzipiert,den Unternehmen große Dienste erwiesen. Ich habe mich für das Unternehmen verantwortlich gesehen, da mein Aufgabenfeld ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensentwicklung ist. Das sehen viele Unternehmen aber nicht. Und...setzen auf Führungspositionen Menschen, die von Personalentwicklung keine Ahnung haben. Reicht ja, wenn man einen Mitarbeiter eintstellt, der Ahnung hat. Die Komplexität dieses Themas, das Potenzial, der Zeitaufwand, die Reichweite werden nicht gesehen. Ich liebe diesen Beruf und ich denke ich könnte auch richtig gut sein, noch besser werden, aber er macht krank, wenn man keine Führung hat, keine Partner im Team hat, die dieselbe Sprache sprechen. Dann muss man dies alleine stemmen, muss große Überzeugungsarbeit leisten, muss Widerstände auf allen Hierarchieebenen aufbrechen. Und das - das geht für mich nicht mehr. Das geht, wenn ein Grundverständnis von Personalentwicklung und Organisationsentwicklung im Unternehmen vorliegt. Man Mitstreiter findet. Mitwisser. Vertraute. Ich bin kreativ, energiegeladen, motiviert und arbeite sehr gerne selbständig. Auch wenn es widersprüchlich klingt, ich hätte gerne eine richtige Führungskraft. Ich wollte immer selber eine werden. Darauf ist mir die Lust vergangen. Habe ich zuviele gesehen, die es nicht konnten, nicht wollten, nicht von Herzen taten. Nicht gut in dem waren, was sie waren. Ihre Funktion nicht ausfüllten - aber die Statussymbole gerne mitnahmen. Aber der Fisch stinkt ja in der Regel vom Kopf. Aber gegen diesen Kopf möchte ich aktuell nicht mehr kämpfen müssen.Wie es weiter geht? Mal sehen. Es wird Gespräche geben müssen, die nicht einfach werden. Aber - ich bin klarer als je zuvor bzgl. dem, was ich will und dem, was ich nicht will. Jetzt fehlt nur noch der Weg.