Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!
Rückblickend habe ich die Phasen des Burnouts immer ein wenig wie ein hin und her zwischen Droge und Entzug erlebt. Zumindest stelle ich mir dies so vor. Denn bisher bin ich von einer Drogenabhängigkeit zum Glück verschont geblieben.
Ich hatte ein gutes Abitur,und auch mein Studium erfolgreich absolviert. In der Ausbildung wurde ich nach meiner Leistung beurteilt. Es gab in der Regel keine Unterscheidung zwischen Mann und Frau. Ich gehörte immer zu den besten, wofür ich nicht wirklich viel tun musste. Viele gute Noten sind mir regelrecht zugeflogen. Ich war sogar im Mathe-LK oftmals besser als meine männlichen Mitstreiter. Ich kannte es nicht anders. Ich musste nicht beweisen, dass ich als Frau mit meinen männlichen Mitschülern oder Kommolitionen mithalten oder sie gar abhängen konnte (Ausnahme mein damaliger Mathe- und Physiklehrer..Er fragte meinen Vater, ob bei mir alles „normal“ sei. Denn er würde es nicht kennen, dass Mädchen in Mathe und Physik gute Noten hätten:-).) D.h. zählt man die Schul- und Studienjahre zusammen, war ich es 17 lange Jahre so gewohnt. Klar das meine Erwartungshaltung war, dass es so weitergeht. Gab es da mal ein Gewohnheitsrecht? Ja, da hatte ich die Rechnung wohl ohne einige männliche Führungskräfte gemacht – wie sich noch herausstellen sollte.
Ich ging mit der Zielsetzung an den Beruf als Personalentwicklerin, gute Leistung zu bringen, mich kontinuierlich weiterzuentwickeln, mein Gehalt stetig zu verbessern und als Frau unter vielen männlichen Kollegen als gleichberechtigt anerkannt zu werden. Zu Beginn schien es auch gut zu passen. Mein Unternehmen und ich - ich als hochproduktive Arbeitskraft, die gerne auch Überstunden machte, um ihre Arbeit weiter zu optimieren. Und mein Unternehmen, welches dies dringend nötig hatte. Aus ein paar im Unternehmen angebotenen Seminaren entwickelte ich ein umfangreiches, bedarforientiertes Konzept. Die Arbeitsmenge stieg und stieg, gleichzeitig auch die Verantwortung und die Belastung. Was ausblieb war die Wertschätzung von meinem Vorgesetzten. Wenn ich ganz großes Glück hatte, dann erhöhte sich tatsächlich mal mein Gehalt (dies war letztlich die einzige Droge, die ich bekam). Die persönliche Anerkennung war die Droge, nach der ich mich vergeblich sehnte. Und dafür war ich bereit, immer mehr zu tun. Bis es anfing, berab zu gehen. Die Arbeitsmenge wurde einfach zu viel. Mit den ersten Erschöpfungsanzeichen blieb zwar die Hoffnung, dass irgendwann Wertschätzung folgen würde, aber das Streben danach wurde geringer. Die Belohnung, die für mich wichtig war, verlor irgendwann ihren Reiz. Irgendwie begann zu diesem Zeitpunkt der Kampf ums Überleben. Die Menge an Arbeit fing an auf meine emotionalen und mentalen Reserven zuzugreifen. Sie zehrte mich aus. Die fehlende Anerkennung durch meinen Vorgesetzten, das geringe Interesse an mir als Mensch, die mangelnde Kommunikation, die vorwurfsvollen Blicke und Gespräche. All das tat ihr Übriges. Aber ich hielt durch. Leider merkte ich irgendwann, dass es immer schwieriger wurde, mein Leistungsniveau weiterhin aufrecht zu halten. Versuchte mich aber immer wieder mit der Aussicht auf mehr Gehalt, Anerkennung etc. (ja, ich glaubte noch immer daran, dass es irgendwann kommen würde) zu motivieren. Ich fühlte mich wie ein Junkie, der innerlich um Drogen flehte. Die Frustration wurde mit Ausbleiben der Anerkennung und der Gehaltssteigerung immer größer und gleichzeitig die Energielosigkeit. In den wenigen Mitarbeitergesprächen mit meinem Chef fühlte mich regelrecht als Bittsteller. Irgendwann war ich nur noch genervt. Ich hangelte mich durch meine Arbeitstage. Wenn irgendwelche Termine kurzfristig hinzukamen sah ich oft einfach innerlich nur noch rot. Motivieren konnte ich mich zu dieser Zeit nur noch durch noch höhere Verantwortung, bessere eigene Leistung, mehr Stress. Ich benötige regelrechte „Kicks“ . Die normale Arbeit wirkte auf mich ermüdend und zermürbend. Krankheitssymptome häuften sich – bis zum Knall – dem vollständigen körperlichen Zusammenbruch. Der kam aber erst, nachdem ich normal gekündigt und meine Aufgaben sauber übergeben hatte. Jetzt habe ich erst einmal eine Auszeit.
Ich habe meinen Job geliebt. Doch an dieser Liebe bin ich ausgebrannt.
Das los-lassen tat sehr weh und schmerzt auch weiterhin. Doch es war wichtig, ihn loszulassen. Auf Entzug zu gehen. Nur so habe ich die Chance, mein Leben zu ordnen, die Rollen neu zu definieren, um dann mit neuer Energie und ohne Abhängigkeiten auf einer neuen Position zu starten.