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Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!

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Ene, mene, mu und raus bist Du.

gesicht

"Und was machst Du beruflich?" oder "Was machst Du so?" Eine Frage, die ich bisher immer mit reinem Gewissen und irgendwie auch ein wenig stolz beantworten konnte. "Ich bin Personalentwicklungsreferentin. Für unser Unternehmen mit 550 MItarbeitern allein verantwortlich für deren Weiterentwicklung." Meine gesamte Ausbildung hatte ich zu den Besten gehört und mein Lebenslauf war lupenrein. Dies brachte mir auch bei meinem ersten Termin bei der Arbeitsagentur fragendes Schweigen ein. Ich hatte mir vorsichtshalber schon in der ersten Woche meiner Arbeitsunfähigkeit einen Beratungstermin geben lassen -waren mir diese Institute neu und ich vollkommen unerfahren. Mein Berater dort schaute auf meinen Lebenslafu und die beigefügten Unterlagen und dann iritiert wieder auf mich. "Sie werden wir ruckzuck vermitteln können", kam dann. "Schön" kam von mir. Dann von meinem Berater: "Oje, Sie waren bei einer Bank?!?!?! Das erklärt natürlich einiges". Ich antwortete: "Hmm, ja, nein, nicht wirklich".  Und zum ersten Mal war ich froh, dass ich krankgeschrieben bin und weder mit meinem Berater, noch mit meinem Vermittler, den man wohl als "Arbeitssuchende" zugeteilt bekommt, disskutieren musste. Ja, nach der Frage, was man so arbeitet, kommt dann in der Regel immer die Frage, wo. Und ja, es war seit Beginn der Finanzkrise nicht mehr ganz so einfach zu antworten "Bei der XYBank". Da ich eigentlich eine harte Schale besitze, habe ich das auch immer wahrheitsgemäß beantwortet. Nicht so wie einige meiner Kollegen, die sämtliche Unternehmen nannten, nur nicht das, wo sie wirklich arbeiteten. Und ganz ehrlich? Die mitleidigen (zwar für mich unbegründeten) Blicke taten auch manchmal gut. Wenn ich keine Lust darauf hatte, fügte ich immer noch schnell hinzu, dass ich eigentlich gar kein Banker bin, sondern BWLerin mit Schwerpunkt Personalmanagement, überall arbeiten könnte und nur durch Zufall in einer Bank gelandet war. Dann schwand das Mitleid meist recht schnell aus den Gesichtern, die Mimik entspannte sich. Man konnte auf ein anderes Thema übergehen.

Was würde ich jetzt auf die Frage "Was machst Du so?" antworten? Würde ich reagieren wie manch Banker, der durch die Äußerung eines anderen Unternehmens einfach mal schnell zum Nichtbanker mutiert und sich damit MItleid und Hasstriaden vom Leib hält? Oder würde ich die Wahrheit sagen? Konfrontiert man die Mitmenschen, die nicht gerade zu den engsten Freunden gehören, damit? Damit, dass man an Burnout leidet, man erschöpft ist, es einem nicht gut geht? Dass man gerade den gutbezahlten und angesehenen Job bei einem der bekanntesten Süßwarenproduzenten, auf den man sich so gefreut hatte, gekündigt hat? Oder dass man darunter gelitten hat, dass einem beim Vorarbeitgeber nie Wertschätzung für tolle Leistungen entgegengebracht wurde? Dass man geleistet hat und daran zerbrochen ist? Knallt man den Mitmenschen seine Sorgen, Bedenken und sein Leid vor die Füße? Ich weiß es nicht. Gut wäre es sicherlich. Ich befürchte aber, dass die meisten Menschen damit einfach nicht oder noch nicht (richtig) umgehen können. Würde man noch hinzufügen, dass man aktuell keinen Job hat, wäre der Ofen ganz aus. Denn irgendwie definiert man sich heute doch ganz wesentlich über seinen Beruf. Und wer nicht arbeitet, leistet nichts und ist irgendwie raus aus dem System. Und ich würde lügen, wenn ich das bei mir persönlich im Moment nicht auch hin und wieder so empfinden würde. Ich habe es ja so gelernt. Ich kenne es nicht  anders. Insgesamt ist deshalb zu hoffen, dass ein Stückchen losgelassen wird, von der Bedeutung der Arbeit, für unser Leben, unser Dasein, unser Ansehen und unser Wohlempfinden.

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