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Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!

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Seid ihr perfekt für den Recall...

Perfekt ...oder fallt ihr schon?

 

Gestern Abend habe ich DSDS geschaut. Die Kandidaten, die es in den diesjährigen Recall geschafft hatten, mussten sich nun für die nächste Runde qualifizieren, fürs Ticket auf die Malediven.

Irgendwie merkwürdig wie die Anzahl der Casting-Shows im Fernsehen in den letzten Jahren angewachsen ist. Musik-Shows und Model-Shows sind langsam aber sicher auf allen Sendern vertreten. Und...diese Sendungen erfreuen sich anhaltender vorbildlicher Zuschauerquoten. Wir sind selbst immer ein wenig Jury. Sind teilweise entsetzt über die fiesen Sprüche von Dieter Bohlen. Teilen gleichzeitig von unserem Sofa aber auch kräftig aus. Auffällig ist, dass selten Kandidaten eingeblendet werden, die mittelmäßig, ausbaufähig sind. Die gerade so in die nächste Runde kommen. Entweder erscheinen bildhübsche Kandidaten mit langjähriger Gesangsausbildung, die nur zwei Töne benötigen, um die Jury und auch uns als Zuschauer umhauen. Oder es werden Kandidaten vorgeführt, die so fern von der Model- oder Gesangskarriere sind, dass es weh tut. Extrempole, die auch polarisieren. Diese Sendungen fesseln uns. Vielleicht, weil sie uns ein Stückchen an unsere unerfüllten Kindheitsträume erinnern. Vielleicht aber auch, weil diese Shows ein Abbild unseres täglichen Lebens sind. Wir alle haben doch in vielen Situationen unseres Lebens Angst, Panik vor dem Rausfliegen. Dem "Nichtgenügen", dem "Abrutschen". Plötzlich out zu sein.Sei es in der Schule, im Bewerbungsprozess, im Studium, im Berufsleben oder im Privaten. Die Medien schüren dieses Phänomen. Und machen es sich zunutze. Fühlen wir uns doch ein wenig näher der Pefektion, wenn wir uns die Tagescreme kaufen, die das bildhübsche Model vermarktet. Ist ja nicht so, dass wir nicht wüssten, dass dieses Model nicht durch diese Creme sondern durch die Computertechnik so makellos aussieht. Aber..wir fühlen uns besser und ein winiziges bisschen perfekter. So wie die Creme uns kurzfristig dem Recall näher bringt, sind es auch eine hippe Frisur, die richtige Kleidung, schöne Autos, gestylte Wohnungen, Trainings zu unserem Stil, unserer Persönlichkeit und unser Dasein als perfekte Partner, Kinder, Eltern, Freunde und Kollegen. Irgendwie befinden sich manche von uns immer wie in einem Casting. Auch ich gehöre zu denjenigen. Und das ist ziemlich stressig. Wir stressen uns und schaffen trotzdem irgendwie nie das alles, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben eigentlich nie Zeit, müssen aber daneben noch überlegen, wie wir uns weiterhin im Job beweisen und welchen beruflichen Schritt wir als nächstes gehen, um ja nicht zu lange auf einer Sprosse der Karriereleiter stehen zu bleiben. Wie wir dann am Wochenende noch das perfekte Geschenk für die Freundin auftreiben und möglichst noch ein perfektes Outfit fürs Dinner mit dem Freund.  Dinge, die uns stören und vielleicht schon schleichend zerstören, werden nicht berücksichtigt. Oder als eigene Schwäche abgetan, an der ebenfalls zu arbeiten ist, denn wir wollen doch den Recall-Zettel haben. Wer wird denn da rumjammern? Die Kandidaten, die bei DSDS jammern, werden von uns in der Regel auch sehr abschätzig beurteilt. Und dennoch jammern wir irgendwann. Weil alles zu viel wird. Man nur noch funktioniert...bis man letztlich nicht mehr funktioniert und man sich selbst den Zettel zum Recall wegnehmen und zerreißen muss. Weil zum ersten Mal im Leben, nicht mehr das "Weiterkommen" zählt, sondern die pure Existenz und Gesundheit. Aber - soweit sollte man es nicht kommen lassen. Man sollte vorher öfter mal innehalten und vom Funktionieren und Pefekt-seinwollen los-lassen. Auf sich und seine Wünsche achten. Sich selbst respektieren, Schwächen zulassen, auf seine Intiution und seinen Körper hören und sich nicht immer nur weiter antreiben. Leider werden uns die Medien hierbei vielleicht nicht so wirklich unterstützen.

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