Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!
Entscheidungen zu treffen...so weit ich zurückdenken kann, war dies immer eine der größten Herausforderungen für mich. Irgendwie hat mich immer eine Art Panik begleitet. Eine Panik, mich falsch zu entscheiden und mir und meinem Leben damit nachhaltig zu schaden. Begonnen hat dies schon mit der Wahl meiner Leistungskurse. Ich war in der Schule in allen Fächern gut. Hatte nicht das Thema, das manche Fächer von vornherein aufgrund schlechter Noten nicht priorisiert zu wählen gewesen wären. Auch auf die Gefahr hin, dass mich manche für verrückt halten, ich fand das damals echt blöd. Es machte mir die Wahl zur Qual. Von Anfang an auf meine Intuition hören? Fehlanzeige. Ich begann mein zukünftiges Leben, von dem ich noch nicht einmal wusste, wie es laufen würde, zu analysieren. Schaute, welche Leistungskurse zu welcher Jobwahl am besten passen würden und somit perfekt in meinen Lebenslauf. Dumm nur, dass auch die Entscheidung für einen Job zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefällt war. Schlimmer noch - auch hier hatte ich keine Ahnung. Ich interessierte mich für sehr viele Themen. Es kam von Sonderpädagik, Kunstgeschichte, Architektur, BWL, Bauingenieurwesen, Zahnmedizin bis hin zu Journalismus alles in Frage. Mein letztlich sehr guter Abiturschnitt machte das Drama perfekt. Fielen für manche meiner Klassenkameraden manche Studienträume allein wegen des schlechten Abiturschnitts ins Wasser, konnte ich mit meinem jedes Studium angehen. Super... Auch die Berufswahltests brachten mich nicht weiter. Denn hier schaltete sofort mein Hirn ein. Floristin, Visagistin? Ich, nein... Dafür ist mein Notendurchschnitt doch viel zu gut. Einen "solchen" Beruf mit einem "solchen" Notendurchschnitt anzugehen, so etwas würde ich sicher bereuen (dachte ich damals, heute bereue ich, dass ich nicht genau das gemacht habe). Also entschied ich mich nach vielen schlaflosen Nächten für...BWL. Obwohl mir die Fächer gar nicht zusagten. Aber egal. Da hat man was in der Hand...meinten meine Großeltern. Das die Wahl des Studienschwerpunkts, aus 12 verschiedenen Studienschwerpunkten, für mich äußerst zermürbend war, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen. Ich habe 4 Semester mit dem Studienschwerpunkt Marketing studiert, um mich kurz vor dem Vordiplom dann für den Studienschwerpunkt Personalmanagement zu entscheiden. Zum Glück blieb es dann dabei. Zumindest dort. Schwierige Entscheidungssituationen hinsichtlich Beruf, Partner etc. folgten.
Warum ist es so schwer, sich zu entscheiden? Haben wir heutzutage zu viele Möglichkeiten? Haben wir zu viele Freiheiten? Vielleicht besonders dann, wenn wir zu den Leistungsträgern gehören?
Meine schwierigste Entscheidung war definitiv die, Anfang Januar die Krankschreibung anzunehmen und in eine Auszeit zu starten. Es war die richtige Entscheidung, das weiß ich. Ich hätte sie nur viel früher - vielleicht ein Jahr zuvor schon treffen können und auch müssen. Aber auch hier habe ich mehr an meine Vernunft appeliert und weniger auf meinen Körper und meine Seele gehört. Ich war ja Leistungsträger, hatte immer versucht, perfekt zu sein. Hatte Erfolg und wollte auch in Zukunft erfolgreich sein. Es gab aber schon lange keinen Tag mehr, an dem ich nicht erschöpft war und darüber nachgedacht habe, wie ich etwas ändern könnte, mir nicht bewusst gewesen wäre, dass ich etwas ändern muss. Habe immer hin und her überlegt, tagein tagaus. Es war das reinste Gedankenkarussel. Aber die Entscheidung habe ich immer wieder aufgeschoben. War krank, bin krank ins Büro, habe funktioniert, immer und immer wieder. Aus Angst, Panik, mich mit einer Auszeit falsch zu entscheiden, mich raus zu schießen. Nicht mehr dazuzugehören. Diese Angst hat mich zusätzlich zermürbt. Und letztlich habe ich mich damit immer weiter rausgeschossen. Bevor wir Angst haben, dass wir uns mit möglichen Fehlentscheidungen unsere Zukunft erschweren, sollten wir deshalb schauen, wie es uns im Jetzt geht und unsere Entscheidungen darauf beziehen.