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Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!

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Jeder Mitarbeiter ist ein Schatz?

 

Ich habe heute einen interessanten Artikel gefunden, der mir als Personalentwicklerin und Burnout-Betroffene gleichermaßen ins Auge springt: link

 

Der Artikel enthält ein paar wirklich gute Ansätze, hätte meiner Meinung nach aber noch ein wenig differenzierter ausgearbeitet werden können. Er zeigt kritische Themen, die heute in Unternehmen und der Gesellschaft kursieren. Ein paar möchte ich hier noch in meinen eigenen Worten aufgreifen und kommentieren:

 

Burnout als Modewort

 

So finde ich es als Betroffene fatal, dass der Begriff "Burnout" irgendwie zu einem nicht mehr so ganz ernstzunehmendem Modewort geworden ist. Er kommt leicht über die Lippen und scheint schon fast ein "Muss" im Arbeitsleben zu sein. Wer was zählen möchte, der sollte irgendwie ausgebrannt sein. Er scheint schon gleichgesetzt zu Stress im Beruf zu stehen. Dies führt dazu, dass man bei Menschen jüngeren Jahrgangs bei Erzählungen über die Diagnose ab und an so etwas wie "Anerkennung" erhält oder die Aussage: "Du, mir geht es genauso". Also, warum jammere ich eigentlich?

Bei Menschen älterer Generation gehen die Aussagen eher in folgende ebenso unerfreuliche Richtung: "Wir hatten auch viel Stress im Beruf, aber wir haben nicht gejammert". Als Frau hat man im Zweifelsfall leider das Pech, das man als weibliches Wesen ja sowieso keine harte Schale besitzt und somit nichts aushält.

Auch dass Burnout immer im gleichen Atemzug mit zu viel Arbeit fällt, ist unschön.

Solche Aussagen, sind für Betroffene, die wirklich mit der Diagnose Burnout konfrontiert sind, enttäuschend. Auch wenn man weiß, dass diese oftmals von Menschen kommen,  die alles zu kennen scheinen, im Grunde aber keine Ahnung von diesem Thema haben.

 

Werte im Unternehmen

 

Welche sind dies? Das sollte sich meiner Meinung nach jedes Unternehmen fragen. Und wenn es diese festgelegt hat, sollte es bitte bitte auch nachhaltig danach leben und diese nach innen und außen möglichst einheitlich vertreten.

Ich habe dies an mir und auch bei anderen jungen, ehrgeizigen Kollegen gesehen. Sie haben das Unternehmen ausgewählt, weil die Werte des Unternehmens zu ihren eigenen passten. D.h. sie starteten mit großer Freude, Energie, Idelalismus, Erwartungen, Optimismus und Loyalität und arbeiteten nach diesen Werten, die ihnen wichtig waren und die ja, so hatte es zuvor ausgesehen, kompatibel zu den Werten des Unternehmens waren. Sie mussten recht schnell feststellen, dass dies nicht der Fall war. Die Werte, die das Unternehmen nach außen trägt und im Auswahlprozess kommuniziert hatte, waren im Arbeitsalltag nicht mehr auffindbar. Für junge Nachwuchskräfte ist das Zugehörigkeitsgefühl und der Stolz auf das eigene Unternehmen oftmals wichtig. Von beidem bleibt aber schnell nichts mehr übrig, wenn die Werte fehlen oder vorhandene nicht zu den eigenen Werten passen. Und es soll Unternehmen geben, die propagieren das Thema Werte sogar im eigenen Slogan...und haben intern weder definiert noch kommuniziert, was sie damit genau meinen und ausdrücken wollen. Leere Worthülsen.

 

Aktionismus der Unternehmen

 

Balance? Fehlanzeige!

In den letzten Monaten meiner bisherigen Tätigkeit -  den Monaten vor meinem kompletten Zusammenbruch - war es für mich schwierig, eine Balance zu finden, zwischen Erschöpfung, extremer Müdigkeit, Nichtstun und Hyperaktivität, Höchstleistung.  Zurückblickend entspricht dies auch dem "Verhalten" meines bisherigen Arbeitgebers.

Entweder wurde für ein Thema viel oder gar nichts getan. Mitarbeiter bekamen keine Schulungen oder wurden mit Seminaren erschlagen. Büros gammelten regelrecht vor lauter alter Möbeln vor sich hin oder es wurden Unsummen für neues Inventar ausgegeben. Es gab keine und dann plötzlich äußerst viel Werbung. Für Projekt x wurden Unmengen an Mitarbeiterkapazitäten gebunden - als Projekt y gestartet wurde, ließ man das Proekt x einfach unbeendet fallen.

Auch das Thema "Burnout" ist - wie im Artikel beschrieben - ein gefundenes Fressen für den Aktionismus.

Jetzt ist es in aller Munde, jetzt wird geschult. Langfristigkeit? Nachhaltigkeit? Erfahrungswerte? Regelprozesse? Hmmm...nein....

 

Führungskompetenz

 

Und wer prägt und trägt den Aktionismus mit? In der Regel die Führungskräfte. Sie stellen einen ganz entscheidenden Hebel im System dar und hier ist einiges zu tun. Nicht ohne Grund nimmt Führungskräfteentwicklung in der von Capgemini Consulting durchgeführten Studie "HR Barometer 2011" den obersten Rang mit 47% ein:link . Auch 2012 ist dies das wichtigste Thema der Personalarbeit in großen mitteleuropäischen Unternehmen. Die im Artikel beschriebene Situation der Mitarbeiterin, die wie ein rohes Ei behandelt wird, zeigt anschaulich das "Versagen" der Führung. Entweder ganz oder gar nicht.

 

 

Die erdrückende Freiheit

 

Freiräume im Arbeitsleben sind gut und wichtig. Moderne Arbeitszeitmodelle ebenso. Dies ist im Artikel link gut beschrieben. Können sie dem Mitarbeiter doch signalisieren, dass ihr Vorgesetzter ihnen vertraut. Dies funktioniert aber nur dann, wenn der Vorgesetzte dies ebenfalls als richtig und wichtig ansieht und dies seinen Mitarbeitern auch richtig vorlebt, kommuniziert und...die Verantwortungsübergabe nicht gleichsetzt mit: "dann brauche ich gar nicht mehr führen". Und...sollten die Mitarbeiter nicht auch ihrem Vorgesetzten vertrauen können?

Ich war immer froh, eine Position mit großer Verantwortung auszufüllen. Einen großen Freiraum zu haben. Ich war schon immer sehr eigeninitiativ, selbstverantwortlich, und motivierte mich selbst. Doch wurde dieser Freiraum irgendwann extrem.  Mein Vorgesetzter war gefühlt nie anwesend. Er kommunizierte nicht. Er fragte nie nach, er wusste nicht, in welchen Projekten ich gerade tätig war, welche Themen ich auf dem Tisch hatte, wo es zeitlich eng wurde. Er hatte auch keinerlei Interesse daran. Erwartete aber anscheinend von mir eine regelmäßige Berichterstattung. Aber auch dies kommunizierte er nicht. Ich war irgendwie selbstständig in meinem Angestelltenverhältnis. Ohne Rahmenbedingungen, Regeln, Austauschmöglichkeiten, die mein Vorgesetzter festgelegt hätte. Wenn ich meinem Vorgesetzten etwas erzählte, von meine Projekten, Ideen, etc. verkaufte er diese Themen wiederum an seinen Vorgesetzten als seine. Wo wir wieder beim zuvor beschriebenen "Extremen" sind. Dieser extreme Freiraum und den Vertrauensmissbrauch - das hat mich erdrückt. Und wie arbeiten, handeln Mitarbeiter deren Vorgesetzter selbst unter Burnout leidet? Wie verhalten sie sich richtig? Und wer bereitet sie darauf vor? Wer fängt sie / klärt sie auf? Jeder Mitarbeiter ist ein Schatz?? Mein Arbeitswille, meine Energie, meine Kreativität und die Freude und Begeisterung an meiner Tätigkeit sind bei meinem bisherigen Arbeitgeber irgendwie aus mir herausgeflossen - ich bin regelrecht ausgeblutet.

 

Aber ich habe geschafft loszulassen und merke Tag für Tag, wie die verlorengegangene Energie zurück kommt. Und das macht Mut.

 

 

 

 

 

 

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