Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!
...kam die Panik.
Jeden Sonntag um 14 Uhr war mein Wochenende irgendwie vorbei. Ich konnte wirklich die Uhr nach stellen. Sonntags ab 14 Uhr nahm mein Herzklopfen zu, mein Magen verkrampfte sich immer mehr, meine Gedanken sprangen von Termin zu Termin, von Aufgabe zu Aufgabe der kommenden Woche. Und da ich in der Regel schon weit im Voraus einen gut gefüllten Terminkalender hatte, hatten meine Gedanken kräftig etwas zu tun. Ich hatte gedanklich die Insel der Erholung, die Wochenenden für mich darstellten, bereits schon wieder verlassen. In den letzten Monaten schmiedete ich Sonntag nachmittags gedanklich regelrechte "Überlebenspläne" für die Woche. Termine, die mir besonders Bauchschmerzen bereiteten, versuchte ich aus meinen Gedanken zu streichen. Für manche Themen machte ich Todo-Listen, um ein bisschen Platz in meinem Kopf zu schaffen und trotzdem nichts außer Kontrolle zu lassen. Ich suchte kleine Highlights, (dies konnten z.B. kleine Zeiträume zwischen Terminen sein, in denen ich mal einen meiner Arbeitsstapel angehen konnte) die Richtung Ende letzten Jahres aber gefühlt immer weniger wurden. Wenn gar kein Highlight in Aussicht war, versuchte ich mir ein positives Gefühl mit dem Ausblick aufs kommende Wochenende zu geben. "Die Woche bekommst Du auch rum. Das schaffst Du". Besonders schlimm zu wissen war, dass die Menge an Aufgaben sowieso viel zu groß für die zur Verfügung stehenden Zeit war. Und dies war an keinem Tag in den 5 Jahren meiner bisherigen Tätigkeit anders. Auch eine 60-Stunden-Woche, die ab und an noch aufs Wochenende ausgedehnt wurde, konnte da keine Erleichterung bringen. Ich hätte meinen Arbeitsplatz bereits schon in meiner gesunden Zeit gut und gerne mit einer weiteren Vollzeitkraft teilen können und..uns wäre nie langweilig gewesen. Aber wen interessierte das schon? Bekommt man heute doch als Führungskraft Prämien dafür, wenn man mit wenig Personal auskommt. Als dann aber auch noch meine Kraft- und Energielosigkeit anfing, wurde die Arbeitsmenge immer bedrohlicher. Die Zeit, die bisher schon nicht ausgereicht hatte, wurde zu einem flüchtigen Gut. Einem Gut, welches einem 24 Stunden am Tag durch die Finger rann. Allein der Griff nach der Zeit, um sie festzuhalten, schien zu lange zu dauern. Ich fühlte mich immer machtloser im Kampf gegen die verinnenden Minuten und Stunden. Hatte das Gefühl eine Uhr im Kopf zu haben, deren Sekundenzeiger immer bedrohlicher und lauter zu ticken begann, wenn sich mein Schreibtisch mal wieder unter den Stapeln zu biegen schien. Ich fühlte mich immer mehr gehetzt. Fühlte mich wie ein Hamster im Rad, der immer schneller läuft und läuft und läuft und niemals ankommt.
Und heute, heute schaue ich ruhig auf die kommende Woche. Da ich aktuell nicht arbeite, habe ich ein paar Termine, bei der Therapeutin, beim Arzt, bei der Arbeitsagentur und endlich auch wieder Verabredungen mit Freunden. Ich mache mir Gedanken, da ich nicht genau weiß, wie es weiter geht. Aber ich muss sagen...es tut so gut, endlich mal das Hamsterrad und damit das bisherige System verlassen zu haben. Und es tut gut einfach einmal loszulassen.