Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!
Man könnte meinen, dass dies eine Frage ist, die mir eine Freundin, mein Freund oder meine Eltern gestellt haben. Menschen, die mein Leben, mein Umfeld, meine persönliche Entwicklung kennen oder glauben zu kennen. Oder kennt Ihr die Menschen, die meinen, dass sie Dich so gut kennen, dass sie ganz genau wissen, was Dir gut tut? Die einem das Gefühl geben, als hätten sie sich bei einem ins Datensystem eingeloggt und wüssten, was man gerade denkt, auf was man gerade Appetit hat und was man als nächstes tun wird? Bei solchen Menschen ergreift mich immer ein Fluchtgedanke..
Nein, die Frage "Was ist eigentlich (wirklich) Dein Problem?" ist die, die ich mir selbst seit einigen Monaten stelle. Ich habe eine gute Ausbildung, hatte eine wirklich verantwortungsvolle und gutbezahlte Arbeitsstelle und habe einen verständnisvollen Partner und liebe Freunde. Meine Eltern spielen, da sie mit sich selbst viel zu tun haben, schon immer eine Nebenrolle. Das ist nichts Neues. Auf meinen Zwillingsbruder, der Down-Syndrom hat, bin ich sehr stolz, da er sein Leben (er arbeitet, schauspielert in einer gemischten Schauspielgruppe und wohnt in einer WG) sehr gut meistert. Von außen betrachtet führte ich also ein ganz seriöses und gutes Leben. Und ich hatte alles im Griff.
Und dennoch bröckelt die Fassade seit Monaten. Es schleichen sich Krankheiten ein, ich fühle mich ausgelaugt, energie- und kraftlos. Vor zwei Jahren hatte ich in sehr spannenden Projekten zur Personalentwicklung und Personalstrategie mitarbeiten dürfen. Hatte diese sogar ein Stück weit geleitet. Ich habe unendlich gerne dafür gearbeitet - auch am Abend oder am Wochenende. Die Projekte waren sehr erfolgreich. Anerkennung gab es - nur nicht vom eigenen Chef oder der Abteilung. Mir war klar, dass ich aus diesem Grund irgendwann diesen Arbeitgeber verlassen muss.
Doch ich hatte die Schäden unterschätzt, die diese Höchstleistung gekoppelt mit der fehlenden Wertschätzung hinterlässt.
Die Freude an meiner Aufgabe hat nie nachgelassen. Aber die Kraft dafür... Ich schaffte es irgendwann nicht mehr, abends oder an den Wochenenden etwas fürs Büro zu tun. Die Müdigkeit hatte von mir Besitz ergriffen. Ich war froh, wenn ich von Montags bis Freitags "normal" funktionierte. Das Wochenende war für mich plötzlich wie eine rettende Insel, auf die ich mich nach der anstrengenden Woche zurückziehen konnte, um in der nächsten Woche wieder für andere perfekt funktionieren zu können. Oder eine Belohnung dafür, dass ich die Woche gut geschafft hatte, ohne das im Büro irgendetwas Merkwürdiges an mir aufgefallen war. Doch irgendwann reichte das Wochenende nicht mehr aus. Ich sagte so ziemlich alles ab, was an den Abenden statt gefunden hätte, um abends Kraft für den nächsten Arbeitstag zu tanken, um meine "Rolle" weiter spielen zu können. Ich hatte zum Teil keine Energie mehr, mich mit Freunden zu treffen, Ihren Gesprächen zu folgen, denn meine Konzentration ließ auch immer mehr zu Wünschen übrig. Dies passte irgendwie gar nicht zu mir, denn Freunde sehe ich als ganz wichtige Lebensbegleiter an. Und auch hier fragte ich mich immer öfter "Was ist eigentlich (wirklich) Dein Problem?". Nachdem ärztliche Checks gezeigt hatten, dass ich "eigentlich" gesund bin, außer dem stressbedingt erhöhten Cortisol-Spiegel, schlich sich immer mehr die Panik ein, irgendwie "nicht ganz richtig im Kopf" zu sein. Durch meine Therpeutin und die Diagnose Burnout hat sich diese Panik zum Glück verflüchtigt (sind wir nicht alle ein bisschen Freak;-)?). Die Diagnose hat mir aber auch gezeigt, dass das eigene Leben nach außen hin und besonders für andere so normal und perfekt aussehen und innen dennoch alles am Wanken sein kann.
Und ich habe auch gelernt, dass ich los-lassen muss vom Glauben, dass das was nach außen wirkt und was andere denken oder daraus machen das Wichtigste ist.