Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!
"Ich mag die Freiheit nicht" gestand ein routinierter Sklave. "Sie zerstört die Kette, die uns alle verbindet, und überlässt uns mutterseelenallein uns selbst"
(Stanislaw Jerzy Lee)
Könnt Ihr Euch an Euren letzten wirklich freien Tag erinnern?Euren wirlklich freien Abend? Einen Abend, an dem Ihr Euch in Ruhe (ohne jegliche Störung) einen Film von Anfang bis Ende angeschaut habt? Hmm?
Oder ist es bei Euch auch so, dass die Abenden mit Sport, Events, Weiterbildungen, Dauertelefonaten, Internet, Arbeit, Aufräumen, Putzen usw. gespickt sind? Ihr unruhig werdet, wenn tatsächlich mal zwischendrin Ruhe herrst?
Habt ihr dann auch das Gefühl, Leerlauf zu haben? Wird Euch dann auch irgendwie gleich langweilig? Und sucht Ihr dann krampfhaft nach Dingen, egal wie sinnlos sie eigentlich sind, die Ihr tun könnt? Dann geht es Euch genauso wie vielen heutzutage. Man klagt zwar einerseits über den Stress im Beruf - oder/ und im Familienleben - erträgt es aber irgendwie auch nicht, wenn plötzlich Ruhe ist. Wir denken, Stress prasselt von außen auf uns ein. Dies mag zum Teil richtig sein. Wir machen ihn uns aber leider zu oft auch selbst. Wir suchen Ruhe und Ausgleich zum Berufsalltag im Privatleben - spicken dieses aber ohne Ende mit "Muss"-Aktivitäten. Ich "muss" mal wieder xy anrufen, besuchen, wir "müssen" mal wieder ins Kino, Musical, Theater, ich "muss" mal wieder ins Fitness Studio. Bei vielen blinkt und blinkt das Blachberry. Aus dem Hamsterrad, welches wir im Job verspüren und welchem wir entfliehen wollen, schlüpfen wir unbewusst in unser eigenes, selbstgebautes. Damit läuft unser Hamsterrad 24 Stunden. Es läuft und läuft und wir rennen und rennen. Es scheint so, als ob wir große Panik davor hätten, etwas zu verpassen, wenn wir uns Ruhe gönnen. Das Immer-Weiter-Laufen und Nicht-zur-Ruhe-Kommen nutzen wir aber unbewusst auch dazu, nicht über und unser Leben nachdenken zu müssen. Zu groß ist doch die Gefahr, dass man erkennen würde, dass etwas nicht wie gewünscht läuft. Man sich eventuell sogar in seinem bisherigen Leben verrannt hat. Das müsste man dann ertragen. Und man müsste etwas verändern. Im Hamsterrad bleiben erscheint dann als die einfachere Variante. Dass diese Variante aber die für uns gefährlichere und schwierigere ist, dann nämlich wenn die Gesundheit nachlässt, sieht man leider meistens nicht. Deshalb sollten wir ab und an innehalten,unsere Hamsterräder los-lassen und einen ruhigen, kritischen Blick auf unser Leben riskieren. Das ist mutig. Es wird uns aber langfristig einen gesünderen, glücklicheren und selbstbestimmteren Lebensweg bescheren.