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Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!

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Sei schlau, stell Dich dumm

freak

...diesen Titel hat Daniela Katzenberger für ihre Biografie gewählt. Diese habe ich nicht gelesen und möchte deshalb auch nicht darüber urteilen. Für mich ist an der Aussage "Sei schlau, stell Dich dumm" aber sehr viel Wahres dran. Sie könnte meine Anti-Burn-Out-Strategie bereichern, mich langristig davor bewahren mich noch einmal von anderen und mir selbst ausbeuten zu lassen. Intelligenten und leistungsbereite Menschen haben in der Regel kein Problem mit Arbeit.  Sie arbeiten gerne und wollen für sich und das Unternehmen Erfolge sehen. Und sie verfügen durch ihre Ausbildungen, ihre Berufserfahrungen und durch ihr Interesse an vielen Themen über ein Know-How, was für viele Unternehmen in der heutigen Wettbewerbsstiuation überlebensnotwenig ist. Das Blöde daran ist, dass diese Menschen dies auch nach außen hin zeigen. Diese Schlauen, stellen sich also schlau. Allein im Vorstellungsgespräch geben sie einen Eindruck ihres breiten Angebots. Im Arbeitsalltag möchten sie diesen ersten Eindruck natürlich voll und ganz entsprechen, wollen sogar noch mehr bieten. Sie streben Erfolge an. Kämpfen sich vielleicht ab und an sogar mit Themen ab, die sie nicht so gut können, nur um die Fassade des Perfekten, Leistungsstarken aufrecht zu erhalten. Sie haben Angst, durch ein einmaliges Nichtkönnen ihre bisherigen Erfolg in Frage stellen zu lassen. Und leider wird dies von Vorgesetzten auch geschürt. Man befindet sich unbewusst in einem Kreislauf, in dem Leistung zu Belohnung führt. Belohnt der Chef durch mangelnde Wertschätzung, ausbleibende Gehaltserhöhungen, nicht, zweifelt man automatisch an seiner Leistung, nicht am Chef...und man leistet noch mehr. Erkennt man dies nicht und grenzt sich nicht davon ab, treibt dies der Chef in der Regel immer weiter, denn er hat einen gigantischen Nutzen davon. Man arbeitet ihm Konzepte aus, während er Zeit für die ihm wichtigen Dinge hat, Mittagessen mit Kollegen, Netzwerken, Familie oder auch Themen, zu denen er nicht gekommen wäre, hätte er andere nicht abgegeben. Er macht es dann richtig, er ist (vielleicht) schlau und stellt sich dumm. Gibt Themen und Projekte an diese Mitarbeiter (so wie mir) ab, weil diese auf dem Gebiet (angeblich) mehr Ahnung haben als er. Für diese Mitarbeiter ist es eine neue Herausforderung, ein Hilfsmittel um die ersehnte Belohnung zu erhalten (ob die kommt ist fraglich, aber dies ist in dem Moment egal). Man reißt die Verantwortung für diese Themen förmlich an sich. Oft wird einem diese Verantwortung dann entzogen, wenn man ein gutes Ergebnis liefert. Den Ruhm trägt der Chef davon. Läuft es schlecht, so ist man oft dafür verantwortlich. Und wenn man daran zerbricht - selbstverständlich auch. Man ist irgendwie Sklave, gefühlt vom Chef, tatsächlich aber Sklave seiner eigenen Leistungsfähigkeit und des "Sich- und Anderen-Beweisen-Wollens". Man muss verstehen können, dass dies komplett unsinnig und auf Dauer selbstzerstörend ist. Denn dass man gut ist, hat man in der Regel schon in den ersten Projekten bewiesen. Und man selbst sollte dies sowieso am allerbesten wissen. "Sei schlau, stell Dich dumm" bedeutet in diesem Zusammenhang mit seiner persönlichen Energie zu haushalten. Sich auf Themen konzentrieren und für Themen die Verantwortung zu übernehmen, die wirklich Sinn machen, die man gerne macht, die man verantworten kann, die einem gut tun, die in den vorgegeben Zeitrahmen passen und die man auch kann.  Soll nicht heißen, dass es nur noch ein Wunschkonzert sein soll. Ich nenne mal ein Beispiel, welches auf das Privatleben passt. Frau, absolut nicht technikbegabt und auch nicht daran interessiert, versucht den DSL-Anschluss zu installieren. Mann weiß, sie bekommt viel hin, das kann sie vielleicht nicht, aber ich habe jetzt keine Zeit und keine Lust. Frau setzt sich also hin, liest sich ein, versucht sich daran, schafft es auch. Aber mit viel Zeit und Energieaufwand und vielleicht auch ohne es wirklich verstanden zu haben. Wenn jetzt doch mal etwas mit dem DSL-Anschluss sein sollte, wird Mann ganz sicher sagen, dass Frau irgendetwas falsch gemacht hat. Frau hat sich den Affen der Verantwortung auf die Schulter setzen lassen. Richtig wäre gewesen, Mann dazu zu drängen, dass dies seine Aufgabe ist, die möglichst bald zu erledigen ist. Aber - man hat sich und ihm mal wieder bewiesen, dass man alles alleine kann und ihn gar nicht braucht. Und das ist falsch. Davon muss auch ich los-lassen. Die Aussage "Sei schlau, stell Dich dumm" hat ganz viel mit "sich abgrenzen", "auf sich achten" und "delegieren" zu tun. Und damit, Verantwortung für sich, seine Gesundheit und seine Energie zu übernehmen.

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