Overblog Alle Blogs Top-Blogs Lifestyle
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!

Werbung

Stromausfall - Oder mein Gefühl im Offline-Modus

Multitasking 

Diese Woche geschah etwas, was mich komplett aus der Bahn geworfen hat. Ich war gerade dabei, Emails zu beantworten, hatte parallel Musik laufen, der Fernseher lief auch parallel ohne Ton wohlgemerkt (als Burnoutler hat man ja den Nachteil auch ziemlich kuriosen Mist im Fernsehen zu Tageszeiten sehen zu können, zu denen man sonst noch nicht einmal Tageslicht zu Gesicht bekam, und ich hatte den Wasserkocher laufen, um mir einen schönen warmen und dazu noch gesunden Tee zuzubereiten. Da geschah es - klack - und es war ruhig. Einfach nur ruhig. Nichts ging mehr. Panik stieg in mir auf. Irgendwie erinnerte alles an die Situation, als mein Körper nicht mehr funktionierte und ich zusammengeklappt bin. Aber diesmal war es anders. Es lag nicht an mir. Sondern die elektronischen Geräte funktionierten nicht mehr. Weil der Strom ausgefallen war. Und damit umzugehen, das muss gelernt sein. Es ist ja nicht so, dass ich in den letzten Wochen nicht deutlich mehr Ruhe habe als während ich gearbeitet habe. Aber, ich bin ja trotzdem irgendwie online. Benutze täglich meinen Laptop, stöbere im Internet, suche im Fernsehen nach sinnstiftenden Reportagen (wenn möglich von Aussteigern;-)), telefoniere über unser DSL-basiertes Telefon und nutze mein Handy. Und jetzt? Jetzt ging gar nichts mehr. Und das verging nicht wie von mir gehofft nach ein paar Minuten wieder, nein es dauerte und dauerte. Mein Laptop lief noch, aber der Akku wurde schwächer und schwächer und ich kam ja sowieso nicht ins Internet. Wie es der Zufall vermag, hatte ich an diesem Tag mein Handy bei meinem Freund im Auto vergessen - dieses hätte mich durch die Internetflatrate über den Stromausfall hinweggerettet. Aber nein - es war nicht da. Und es tat richtig weh. Ich fühlte mich wie ein Kind, dem die Mutter Fernseh- und PC-Verbot erteilt hatte. Bei uns im Haus wohnen Familien mit Kindern. Nach der zunächst wahrgenommen Unruhe im Haus, war es jetzt totenstill. Was machen Familien in so einer Situation? Wie beschäftigt man Kinder, die in der heutigen Zeit mit neuen Medien aufgewachsen sind? Ich weiß, dass es eine Zeit gegeben hat, in der ich selber Kind war, in der das auch funktioniert hatte. Gefühlt lag diese Zeit irgendwo im Universum. Ich schaute aus dem Fenster und versuchte mit dieser Ruhe klar zu kommen. Irgendwie kam ich auf die Idee, mir einfach am Herd Wasser heiß zu machen, statt im Wasserkocher, der ja nun nicht mehr funktionierte. Ja, wäre schön gewesen - leider ist dies bei einem Elektroherd bei Stromausfall unmöglich. Die Zeit des Stromausfalls, die sich letztlich auf 2 Stunden ausdehnte, hat mir zum ersten Mal seit langer langer Zeit ermöglicht, ein Buch nicht wie sonst nach 5 Minuten aufgrund äußerer Ablenkung wieder beiseite zu legen. Ich las tatsächlich eine knappe Stunde am Stück. Nach anfänglicher Panik, tat es richtig gut, einmal komplett abgeschnitten zu sein, von der sonst vorherrschenden Erreichbarkeit und damit auch von der Außenwelt. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann dies das letzte Mal so war. Ist man doch auch im Urlaub und an Wochenenden irgendwie doch über Laptop oder Handy überall und für jeden erreichbar. Sogar dann, wenn man am Strand liegt und die Wellen beobachtet. Ist ja nicht so, dass wir diese Dinge nicht einfach abschalten könnten. Aber warum machen wir es nicht? Es zwingt uns ja keiner. Oder doch? Vielleicht hat das Abschalten irgendwie etwas von "Ich bin nicht mehr erreichbar - ich gehöre nicht mehr dazu - ich verpasse etwas". Wir wissen aber, dass wir nur durchs Abschalten der Erreichbarkeit, tatsächlich auch Abschalten und zur Ruhe kommen können.  Die zwei Stunden Stromausfall taten rückblickend richtig gut. Deshalb sollten wir hin und wieder los-lassen von unserem persönlichen Online-Modus, bevor uns ein Stromausfall unseres Körpers dazu zwingt.

Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post