Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!

2010 war ich mit meinem Freund zum ersten Mal in Bangkok. Damals war dies der Start in einen wunderschönen und erholsamen Urlaub. In Bangkok waren wir zwei Tage. Wir hatten ein Zimmer in einem tollen Hotel im 52. Stock mit einem gigangtischen Blick über die Stadt. Ging man auf dem Balkon nahm man den Lärmpegel der Stadt nur noch als Summen wahr, welches ich damals bezaubernd, ja fast berauschend empfand. Die Hitze flirrte und ich war überwältigt und ergriffen zugleich. Ich ließ meinen Blick stundenlang über die Dächer der Stadt gleiten, nahm immer wieder neue Bilder in mir auf, immer neue Aspekte wahr. Ich hatte noch nie etwas so Beeindruckendes gesehen und gefühlt. Besonders in der Abenddämmerung war der Ausblick vom Balkon gigantisch. Die Farbvielfalt des Himmels und der Lichter war phänomenal. Mir trieb es bei diesem Anblick die Tränen in die Augen. Ich fühlte mich einfach nur gelöst, entspannt und überwältigt. Ich wünschte mir, ewig dort zu bleiben.
Fast ein Jahr später waren wir wieder in Bangkok im selben Hotel, im selben Stock, mit dem selben Balkon. Es war wieder tolles Wetter. Eigentlich war alles gleich geblieben und doch hatte sich etwas gravierendes verändert. Ich war ausgebrannt, erschöpft, fühlte mich leblos und angezählt. Ich hatte den Urlaub wie eine rettende Insel entgegengesehnt. Hatte große Hoffnung, mich endlich erholten zu können, ausspannen zu können. Eine schöne Zeit mit meinem Freund zu erleben, so wie in 2010. Ich sehnte mich nach den Eindrücken, die ich 2010 vom Hotelbalkon von der Stadt gewonnen hatte. Ich wusste, dass diese mir soo gut tun würden. Den Moment, als ich 2011 dann erwartungsvoll auf den Balkon ging, werde ich mein Leben nicht vergessen. Ich ging auf den Balkon und ....es war nichts da. Kein positives Gefühl, keine Emotion, ich sah die Stadt, nahm sie aber nicht mehr wahr. Ich hörte das Summen und empfand es als Lärm. Ich suchte in mir, nach dem überwältigenden Gefühl, welches ich 2010 vernommen hatte, aber es war nichts da. Ich fühlte mich einfach nur leer, innerlich tot. Irgendwie so, als hätten meine Gefühle, meine Emotionen, meine Kraft und meine Seele meinen Körper verlassen. Ich war immer ein Mensch, der sehr emotional war und über eine sehr ausgeprägte Wahrnehmung verfügte. Und jetzt bestand ich nur noch aus einer leblosen Hülle. Ich versuchte mich dann an die Gefühle zu erinnern, die ich 2010 verspürt hatte. Auch das ging nicht. Aus der bunten, lebensfrohen, Stadt mit ihren vielen verschiedenen Facetten, war eine graue eindimensionale Fläche geworden. Ich fühlte nichts, ich spürte nichts, ich roch nichts. Meine Sinne funktionierten nicht mehr. Ich stand nur da und das einzige was ich empfand war pure Verzweifelung. Es tat richtig weh. Ich hatte wieder Tränen in den Augen, diesmal keine Tränen vor Glück sondern Tränen des Leids. Irgendwie stand ich neben meinem Leben und das spürte ich nun extrem deutlich. Die Stadt hatte sich nicht verändert. Aber ich mich. Ich war krank geworden.
Ich freue mich schon jetzt auf die Zeit, in der meine Wahrnehmung und meine Sinne wieder 100% funktionieren. Dann wenn der Burnout mich losgelassen hat. Und dafür werde ich sorgen.