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19. Juli 2012 4 19 /07 /Juli /2012 14:46

18073Ich glaube noch vor einiger Zeit hätte es mich sauer gemacht, wenn mich jemand so genannt hätte. Gestern aber war es anders. Gestern hatte ich wegen meiner Schilddrüse einen Termin bei einem Spezialisten in einem Krankenhaus. Das Stresshormon hatte im Laufe meines Burnouts auch meine Schilddrüse lahmgelegt. Eine richtige Einstellung ist bisher irgendwie nicht gelungen. Von einer Unterfunktion mit Dauermüdigkeit, extremen Wassereinlagerungen schwankte  meine Schilddrüse ab und an in eine Überfunktion mit starkem Herzstolpern und Herzrasen. Nicht schön. Also neuer Versuch. Jetzt musste ein Spezialist dran. Neben dem Bereich für Schilddrüsenthemen liegt eine Einrichtung für stark psychisch Kranke. Und dort musste ich nach meinem Termin vorbei. Vor diesem Bereich hatte sich ein etwas verwirrt aussehender Herr entschieden, dass heute mal Schnorren angesagt ist. Und so bat er jeden der vorbeiging um 2 Euro. Und wer nichts gab - also alle - denen rief er "Spießer" hinterher. So auch mir. Und das fand ich toll. Klingt total bescheuert. Aber "Spießer" und die Art wie er es rief, gab mir das Gefühl, dass ich langsam wieder dazu gehöre. Zu den "Anderen", den "Normalen" eben zu den "Spießern". Generell verbinde ich mit Spießer einen Typ Mensch, der ich absolut nicht bin. Konservativ, vorsichtig, introviertiert, abwartend. Eher nicht so kreativ, extrovertiert, lebenslustig und mutig, wie ich es normalerweise bin. Aber irgendwie habe ich gestern kurzzeitig mit dem Begriff "Spießer" verbunden, "normal" und "gesund" zu sein. Nicht mehr kraft- und energielos, nicht mehr unfähig, mich zu konzentrieren und mein Leben zu ordnen und zu führen, nicht mehr komplett am Abgrund zu stehen, die Scherben meines Lebens und Daseins vor mir liegen zu sehen. Der Kerl weiß gar nicht, dass er mir damit eine Freude gemacht hat. Hatte er sich doch stets bermüht, beleidigend und von der Menschheit übel enttäuscht zu klingen. Wenn der wüsste, dass ihm da eine Burnoutlerin begegnet ist:-). So gar nicht Spießer, eher ein wenig durchgeknallt. Von vielen genauso kritisch beäugt wie er, wenn ich ihnen vom Thema Burnout erzählt hatte. Die Situation machte wieder bewusst, wie wenig wir die anderen Menschen kennen und richtig einschätzen können. Wir kennen nicht ihre Schicksale, ihre Lebensdramen, ihre Freude, ihr Leid, ihre Ziele und Träume, ihre Vergangenheit und auch nicht ihre Zukunft. Auch wie wir die Welt, Situationen, Menschen etc. betrachten und sehen, ist vollkommen abhängig davon, wie es uns selbst geht, körperlich wie auch psychisch. Und unsere Gedanken haben eine wahnsinnig Macht.

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Published by Dani - in Burnout
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  • : Willkommen im Leben
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  • : Dieser Blog - geboren am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, mitten im Burnout - ist seit über einem Jahr mein treuer Begleiter. Zunächst befüllt mit Eindrücken und Wahrnehmungen im Rahmen der Erkrankung wird er nun immer mehr zum Ausdruck dessen, was mich täglich so begeistert und bewegt - dazu gehört auch mein neuer Job in einer Outplacement-Beratung. Schön dass Ihr hier seid. Habt Spaß beim Lesen!!
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  • Dani
  • Weiblich, Anfang 30, energiegeladen, lebenslustig, bunt, kreativ, offen, intuitiv, an Menschen und ihren Geschichten interessiert, lebenslustig, zielorientiert, sportlich und kochbegeistert.
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